Am Lake Winnipeg

Kenora liegt an der Provinzgrenze zu Manitoba. Was sich nach dem Strich auf der Landkarte ändert, sind zuerst mal die Strassen. Manitoba hat bessere Fahrbahnbeläge und das Schütteln im Auto nimmt merklich ab. Entgegen der 90 km/h in Ontario, können wir hier sogar mit 100 km/h fahren.

Wenn ich thematisch schon auf der Strasse bin, schweife ich kurz von unserer Wegbeschreibung ab. Der Verkehr in Kanada ist meistens sehr flüssig, auch wenn er dichter wird. Das kommt daher, dass alle Fahrzeuge inklusive Laster am Limit der Geschwindigkeit fahren, wo noch nicht gebüsst wird. Das heisst, ca. 7 km/h über unserer GPS-Anzeige und diese Anzeige ist ja ziemlich genau. Überholmanöver gibt es daher wenige und wenn schon, dann überholen die Kanadier mit viel Vorsicht. Hektik kennen die nicht. Als Ausnahme haben wir die Provinz Québec erfahren, da geht's richtig französisch zu und her. Generell erleben wir die Kanadier im Verkehr als sehr rücksichtsvoll. Die Fahrzeughupe hören wir nur auf Parkplätzen der Einkaufscenter. Etwas lästig und ungewohnt ist es schon, hier signalisieren die Fahrzeuge das Schliessen der Türen mit der Hupe, nicht wie bei uns mit Blinker. Das soll sich in Zukunft ändern, sagt uns ein Hiesiger.

Zurück zu unserer Fahrstrecke. Das Visitor Center der Provinz Manitoba liegt wiederum nahe des Grenzübertrittes. Somit können wir uns schon frühzeitig mit Strassenkarte, Informationen und Broschüren eindecken. Unser Weg Richtung Winnipeg führt durch den Whiteshell Provincial Park, entlang des "alten" Highway 1. Wir wählen oft an Stelle des direkten Weges, d.h. Trans Canada Highway 1, eine Strecke, bei der wir hoffen, etwas mehr von der Landschaft und dem Landleben mitzubekommen. Das bringt uns ab und zu auch zu interessanten Sehenswürdigkeiten, die mehr den Einheimischen vorbehalten sind. Wir folgen deshalb auch der Empfehlung des kanadischen Ehepaars Yolande und Bill, die wir in Kenora auf dem Schiff kennen gelernt haben, und peilen den Campground Winnipeg Beach PP an, der ein paar Kilometer südlich des empfohlenen Dorfs Gimli liegt. Der Lake Winnipeg, der grösste See der Provinz, ist umgeben von Flachland. Der Strand am braun-blauen See wirkt auf uns nicht gerade einladend zum Baden, obschon das warme Wasser sauber erscheint. Auch die einfache Strandpromenade und die zwei eher schäbigen Strandcafés begeistern uns nicht besonders. Da denken die Wochenendausflügler von Winnipeg offenbar anders, tummeln sich hier doch viele am Strand und im Wasser.

Gimli (isländisch für "Haus der Götter") ist ein Dorf, das von isländischen Siedlern 1875 gegründet und Neu-Island genannt wurde, und sich sein kleines Erbe bis heute bewahren konnte. Das kleine Dorf am grossen See hat eine attraktive Strasse, die uns zum Promenieren einlädt, sowie einen schönen Pier mit einer von vielen verschiedenen Künstlern bemalten Wand. Das Hotel Lakeview Resort an der Beach lockt uns mit seiner wunderbaren, mit Blumen geschmückten Terrasse und Blick zum schön angelegten Strand. Diesem Anblick können wir nicht widerstehen und schwupps sitzen wir vor verschiedenen Köstlichkeiten zum Verzehren und einem guten kühlen Bier (Beno) oder Glas Wein (Lydia). Die kanadische Küche schmeckt uns übrigens sehr gut. Sie ist schmackhaft und eher währschaft, ähnlich wie Grossmutters Küche.

Wieso uns diese Gästeterrasse so fasziniert? Wir erlebten schon viele schöne warme Tage beim Queren des grossen Landes und suchten öfters das gemütliche Sein bei Kaffee und Kuchen bzw. Bier und Wein an der frischen Luft. Aber unsere schönen Schweizer Gartenbeizli fehlen in Kanada fast vollständig, und wenn schon mal Tische und Stühle draussen zu erblicken sind, dann stehen sie meistens auf kahlem Pflaster ohne jeglichen Pflanzenschmuck. Klar sind hier auch keine Gäste anzutreffen, die sitzen lieber drinnen in dunklen, klimatisierten Räumen. Wie es in Touristenorten wie Calgary oder in den Rocky Mountains aussieht, wissen wir nicht. Wir hoffen aber auf mehr Gemütlichkeit.