Krabbenfestival in Port Angeles, Washington

Die Hafenstadt Port Angeles auf der Olympic Halbinsel mit 20'000 Einwohnern ist nicht so beeindruckend, insbesondere wenn man die schöne Stadt Victoria in Erinnerung hat. Dafür empfängt sie uns mit dem grossen jährlichen Volksfest "Dungeness Crab and Seafood Festival". Die Marktstände gleichen unseren Ständen am Zibelemärit in Bern, viele Selfmade-Artikel, aber auch Kleider, Süsses, Kram und Kitsch werden hier präsentiert. Anstelle der Zwiebeldüfte streicht uns ein leicht süsslicher Duft nach Seafood um die Nase. Es dreht sich hier alles um die Dungeness Crabs.

Die Dungeness Krabbe bevorzugt Seegras und Wasserböden, wie man sie an der Westküste von Nordamerika findet. Sie wächst in der Regel bis zu 20 cm über den Panzer gemessen, kann aber auch grösser sein. Die Krabbe ist ein beliebtes Krustentier und für ihr leicht süsses zartes Fleisch sehr geschätzt. Ihren Namen hat sie vom Hafen von Dungeness bekommen. Als Delikatesse wird sie der ganzen Westküste entlang verkauft. Wir könnten unsere Krabbe aus einem Wasserbecken angeln, ziehen es aber vor, die fertig gekochte Spezialität im grossen Festzelt zu zerlegen. Ganze oder halbe Krabben mit Maiskolben und Cole Slaw Salat oder eingerollt als Krabben-Wrap werden angeboten. Nebst Krabben verkaufen sie auch fangfrische Scallops (Jakobsmuscheln) und Austern. Ein Berufsfischer, der neben Lydia sitzt, erklärt unter heftigem Geschwätz und lauter Musik, das absolut Beste sei der Crab Cake (Krabbenkuchen). Wir versuchen diesen später auch. Er schmeckt zwar lecker, doch halb so viel Fett bekäme uns besser. 

Am späteren Abend geniessen wir die fätzige Countrymusik im Zelt. Der heftige Platzregen, der viele Nähte des Zeltes sprengt und in die darunter stehenden Ölfässer strömt, trübt die gute Stimmung der vielzähligen Einheimischen nicht im Geringsten. Die Leute sind an das Nass gewohnt.

Die Olympic-Halbinsel von Norden her gesehen
Die Olympic-Halbinsel von Norden her gesehen

Etwa die Hälfte der Olympic-Halbinsel ist als Olympic National Park ausgewiesen. Dieser besteht aus zwei von einander getrennten Teilen, dem stark zerklüfteten langen Küstenabschnitt mit gemässigtem Regenwald und dem Kerngebiet der Gebirgsregion mit dem Mount Olympus (2432 m). Aufgrund der geringen Anzahl Jahressonnenstunden wurde die Gegend rund um den Park und insbesondere die kleine Stadt Forks von der Autorin Stephenie Meyer als Handlungsort ihrer Vampirsaga "Twilight" (auf deutsch "Biss") gewählt.

Das Schlechtwetter hat sich am andern Tag nur zögernd verzogen. Trotzdem fahren wir in den Olympic National Park und begeben uns am Hurricane Ridge auf 1585 Meter bei 4 Grad auf Wanderschaft. Nur die Gletscher zeichnen die Gegend weiss. Alles andere liegt noch in herbstlichen Farben. Die Skilifte hier haben nicht unseren technischen Standard. Entgegen allen sonstigen vielen Vorschriften in diesem Land wird die alte Technik noch genutzt.

Ein Besuch des Dungeness Spit, einer 5 Meilen ins Meer hinausragenden Landzunge mit einem Leuchtturm an der Spitze, wurde uns sehr empfohlen. Das kleine Dungeness Wildlife Refuge (Wildtierschutzgebiet) beherbergt 5 unterschiedliche Lebensräume mit vielen Vögeln, Seehunden und verschiedenen Pflanzen. Der Weg hinaus zur Spitze ist aber lang und mühsam, so begnügen wir uns mit einem tollen Blick auf den Leuchtturm und den im Hintergrund weiss leuchtenden Vulkan Mount Baker (Kaskadengebirge in Washington).