Jazz in New Orleans

Am Jackson Square
Am Jackson Square

Die Stadt New Orleans mit ihren 300'00 Einwohnern (Metropolregion 1.3 Mio.) am Delta des Mississippi erleben wir als etwas ganz Besonderes. Sie ist keine typische amerikanische Stadt, das französische und spanische Erbe ist vor allem in der historischen Altstadt (French Quarter oder auch Vieux Carré genannt) mit ihren zahlreichen Gebäuden im Kolonialstil noch sehr spürbar. Die überall anzutreffenden Strassenmusiker und die bunt gemischte Bevölkerung geben der Stadt ein spezielles Gepräge, das uns begeistert.

Gegründet wurde die Stadt 1718 von einem Franzosen und erhielt zu Ehren des Herzogs von Orléans den Namen La Nouvelle-Orléans. 1722 wurde sie Hauptstadt von Louisiana, verlor diesen Status jedoch später an Baton Rouge. 1762 ging die Kolonie an Spanien, dann an Napoleon, welcher schliesslich die ganze französische Kolonie Louisiana 1803 für lumpige 15 Mio. Dollar an die Vereinigten Staaten verkaufte. Die Vereinigten Staaten verdoppelten damit ihr Staatsgebiet auf einen Schlag, denn Louisiana umfasste damals noch grosse Gebiete des Mittleren Westens.

Von ihren frühen Tagen an war die Stadt bekannt für ihre kosmopolitischen und mehrsprachigen Bewohner und die zahlreichen Kulturen, die dort existierten. Heute setzt sich die Bevölkerung zusammen aus 28 % Weissen, 67% Afroamerikaner, der Rest teilt sich auf unter Spanisch-Amerikaner, Asiaten und Ureinwohner.


New Orleans (Spitzname The Big Easy) war immer schon ein Zentrum der Musik. Es vermischte europäischen Stil mit dem aus Lateinamerika und afroamerikanischen Kulturen. Vor allem der Jazz mit Blechbläsern hat seine Wurzeln hier (u.a. auch Geburtsort von Louis Armstrong). Beim Bummel durch das French Quarter treffen wir auf eine spontane Jazz-Session auf dem Jackson Square. Strassenmusiker verschiedenster Stilrichtungen (z.B. Cajun-Musik mit Akkordeon) geben sich ein Stelldichein an der Royal Street und im kleinen Jazz-Club Spotted Cat geniessen wir gemeinsam mit Ruth und Fredy einen "fätzigen" Musikabend.

 

Crawfish Etouffée
Crawfish Etouffée

Berühmt ist die Stadt auch für ihre Esskultur. Es gibt unzählige Restaurants, die kreolische und Cajun-Gerichte wie Gumbo (Eintopf mit Meeresfrüchten), Jambalaya (Reispfanne ähnlich wie Paella) und Crawfish Étouffée (gedämpfter Flusskrebs) anbieten. Da lassen wir uns gerne verführen und sind begeistert ob der würzigen und schmackhaften Speisen. Auch die Spezialität "Red beans and rice", ein herzhaftes Eintopfgericht, das traditionell am Montag gegessen wird, müssen wir probieren.

 

Die Begriffe "kreolisch" und "Cajun" werden oft verwechselt, bedeuten aber etwas Unterschiedliches. Beide Kulturen basierten zunächst auf französischen Einwanderern, doch die späteren "Kreolen" kamen aus Europa und vermischten sich bald mit Spaniern, Indianern und Schwarzen. Die Cajuns (amerikanische Verballhornung für Acadians) dagegen sind Einwanderer aus Nordostkanada und vermischten sich lange Zeit kaum mit der übrigen Bevölkerung (siehe auch unter Dies&Das/Die Geschichte der Arkadier, Ergänzung Louisiana). Entsprechend entwickelte sich die heutige kreolische Küche durch Vermischung aller Speisentraditionen sämtlicher Einwanderer, die Cajun-Küche hingegen nahm nur zögerlich neue Elemente auf.

 

Auf dem French Market mit all seinen wundersamen Düften erstehen wir einige Gewürze für das Nachkochen zuhause und für spätere Eigenkreationen. Lydia kann der Ausstellung schön bebilderter Kochbücher mit Rezepten von New Orleans und Louisiana nicht widerstehen, und schwupps ist der Rucksack um ein Kilo schwerer, natürlich gegen Bezahlung.

Der Markt bietet sehr viel Unterschiedliches. Wir lassen uns von einem Einheimischen über Vorkommen und Tötung von Alligatoren aufklären. In seiner Auslage bekommen wir viele kleine bis ganz grosse Alligatoren-Kopfskelette zu Gesicht. Der Verkauf von Alligatoren-produkten sei weder in den USA noch in Europa verboten. Diese Tiere, welche zu Hunderttausenden in den Sümpfen am Golf von Mexico leben, könnten kontingentiert abgeschossen werden.

Nicht weit von diesem Stand entfernt treffen wir auf die Künstlerin Beatrice Ann, welche ihre lustigen illustrierten Kinderbücher anbietet. Sie freut sich sehr darüber, als wir ihr das Buch "The Chicken and the Egg" als Geschenk für Köders Kinder abkaufen.

Zur Zeit herrscht in "Norlins", wie die Amerikaner sagen, gerade Carneval, die berühmteste Feier des Jahres. Wir sind leider um einige Tage zu früh hier und bekommen nur die Anfänge zu sehen: viele in den Carnevalsfarben dekorierte Häuser sowie einen kleinen Umzug. Der Höhepunkt und letzte Tag des Carnevals ist "Mardi Gras", der am 17. Februar mit einem grossen Umzug und vielen Festlichkeiten begangen wird.

 

New Orleans liegt leider im Einzugsgebiet von Hurrikanen. Der bisher verheerendste war der Hurrikan Katrina, der die Stadt im August 2005 heimsuchte. Durch ihre geographische Lage führten zwei Brüche im Deichsystem dazu, dass fast 80 Prozent des Stadtgebietes bis zu 7,60 Meter tief unter Wasser standen. Wer die Stadt nicht rechtzeitig verlassen konnte, sollte im Louisiana Superdome, dem Football-Stadion in New Orleans, Zuflucht finden. Die Zahl der Menschen, die in den Superdome flohen, lag zwischen 20'000 und 60'000. Auch das Stadion wurde während des Sturms schwer beschädigt und später von den Fluten eingeschlossen, so dass es ebenfalls evakuiert werden musste.

Eine Ausstellung im Presbytère am Jackson Square, welche die Verwüstungen und die Stadtveränderungen infolge der Flutkatastrophe darstellt, beeindruckt uns sehr.

Mehr über Tornados und Hurrikane allgemein findest du unter Dies&Das/Im Land der Wirbelstürme, Tornados und Hurrikane.